Freitag, Juli 21, 2017

Die Chroniken von Königsthal

Als wir mit unserem Schiff auf der Insel ankamen fühlten wir uns wie grosse Entdecker. Wir erträumten uns riesige Schätze aus uralten Zeiten, vergessene Königreiche und seltene Artefakte die man in unserer Welt noch niemals gesehn, ja nicht einmal erdacht hatte. Voll von Tatendrang und Vorfreude beflügelt, nannten wir das betretene Land Königsthal. Wir hofften, uns damit ein gottgleiches Omen zu schaffen.

Wir wurden bitter enttäuscht.

Viele Tage und Nächte ritten wir über die Insel, kartographierten alles und benannten die grossen Berge. Sichelberg im Süden, Eberkopf im Westen, den Bielstein im Nordosten der Insel. Zu guterletzt war da der Königsberg, der grösste und beeindruckendste der Vier, der im zentralen Norden thronte und dessen Gipfel fast unmöglich zu erklimmen ist. Seine Hänge sind steil und verzeihen keine Unachtsamkeit. Je näher wir dem Gipfel kamen desto kälter und ungemütlicher wurde es, schliesslich mussten wir kurz vor der Spitze des Berges aufgeben. Wir hatten keine Vorräte mehr, unsere Pferde hatten schon seit Tagen kein grünes Gras mehr gesehen und hätten wir noch länger versucht ganz nach oben zu kommen, wären wir als gefrorener Beweis unserer Dummheit für die nächsten Menschen die diese Insel entdecken zurückgeblieben.

So stiegen wir hinab und beschlossen, nördlich des Königsberges zu siedeln. Wir hatten die ganze Insel erkundet, die Suche nach Ruinen, Schätzen und alten Geheimnissen war vergebens. Es gab kein Zeichen davon dass überhaupt schon einmal jemand auf dieser gottverlassenen Insel gestrandet ist.

Unsere Träume, uns in ein gemachtes Nest zu setzen, hatten sich also erledigt. Doch nach ein paar Tagen wuchs aus der Enttäuschung ein neues Ziel.

Konnten wir doch die sein, die auf dieser Insel den Grundstein für eine grosse Zivilisation legen. Konnten wir doch die sein die einmal Ruinen voller Schätze hinterlassen und Artefakte erschaffen die sich in anderen Ländern niemand erträumt.

Also machten wir uns an die Arbeit und die Götter waren auf unserer Seite. Wir jagten viel, lebten Gesund und fuhren reiche Ernten ein. Bei den ersten Gebäuden die wir errichteten ging zwar so einiges schief, doch selbst die vielen Unfälle hatten etwas Gutes. Unsere angehenden Heiler konnten sich an den verletzten ausbilden. Die Patienten gingen ihnen nicht aus.

Das Leben war gut auf unserem Stück Land, dass wir Jarlshof tauften. Der Königsberg, reich an Bodenschätzen, half uns grosse Mauern zu errichten, gute Rüstungen zu Schmieden und als wir die ersten Edelmetalle entdeckten feierten wir ein grosses Fest. 3 Tage und 3 Nächte lang…

Eines Tages entdeckten wir am Strand im Osten Königsthals eine weitere, sehr viel kleinere Insel. Nicht allzu fern und durch den Nebel sah es tatsächlich so aus, als stünde dort eine Burg oder ähnliches. In heller Aufregung bemannten wir unser Schiff und setzten über.

Wir staunten nicht schlecht als wir den verwitterten Ruinen näher und näher kamen. Als wir sie erreichten, lagen vor uns die Überreste von etwas, dass einst ein Kloster gewesen sein musste. Ein paar grosse Ruinen, kleine Kammern aus Stein und eingefallene Türme flüsterten einem Leise ins Ohr, wie imposant dieses Eiland in der alten Zeit doch gewesen sein musste. In einem Stein am Eingang und auch zwischen den Ruinen entdeckten wir immer wieder ein Wort: „Ehrenfels“

Einen stolzeren Namen hätten auch wir uns nicht einfallen lassen können, und so blieb es dabei. Nun waren wir angespornt davon die Ruinen zu erforschen und strebten danach ihnen zu neuem Glanz zu verhelfen. Wir wollten um jeden Preis das alte Kloster wieder aufbauen…

 

© Phelony Fanel

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